Sonntag, 18. Juli 2010

Wenn Physiker zuviel Zeit haben...

...dann schreiben sie schon mal einen (oder mehrere!) Rap-Song(s), nehmen sie auf und posten sie nachher auf YouTube. So hat zum Beispiel Physikerin und Wissenschaftsreporterin Katherine McAlpine vier Videos auf YouTube (und anderen Videoportalen) gepostet, die zum Beispiel erklären, warum der LHC die Welt nicht vernichten wird:
Oder den weit verbreiteten "Large Hadron Rap":
Die beiden weiteren Rap-Videos sind auf der Homepage der Künstlerin zu finden.

Hardronic Festival und Antimaterie

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen des "Hardronic Festival" - die inzwischen 21ste Auflage eines jährlich stattfindenden Musikfestes. Auf dem Prevessin-Gelände wurde vor dem Restaurant 3 eine Bühne aufgebaut, auf der an zwei Abenden bis spät in die Nacht verschiedenste Musikrichtungen von Pop über Rock bis hin zu Metal gespielt wurden. Für das leibliche Wohl wurde an verschiedenen Ständen mit Getränken und typisch amerikanischen ("Corn Dogs"), philippinischen und afrikanischen Speisen gesorgt.
 Im Rahmen der Vorlesung zum Thema Antimaterie am Freitag brachte der Vortragende, Rolf Landua (früher Sprecher des ATHENA Experiments (Ziel: Herstellung von Anti-Wasserstoff) und heute Vorsitzender der Abteilung für Bildung am CERN), eine Probe Antimaterie mit. Zum Glück hielt die Batterie bis zum Ende der Vorlesungen und Robert Langdon war auch nirgendwo, um sie uns zu entreißen...
Zu schade, dass in dem Zylinder statt Antimaterie nur eine Glühbirne steckte :)

Donnerstag, 15. Juli 2010

work project (I)

Das CERN ist organisiert in acht Departments: PH (Physics), IT (Information Technology), BE (Beams), TE (Technology), EN (Engineering), HR (Human Resources), FP(Finance and Procurement) und GS (General Infrastructure Services). Diese sind aber noch einmal aufgeteilt in (kleinere) Arbeitsgruppen. Ich arbeite beispielsweise in der Gruppe BE-ABP (BE Department, „Accelerators and Beam Physics”). Diese Abteilung beschäftigt sich unter anderem mit der Verbesserung von bestehenden Beschleunigern und Speicherringen (zum Beispiel zukünftigen Veränderungen am LHC) oder der Planung von zukünftigen Beschleunigerprojekten – zusammengefasst also Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Teilchenbeschleuniger. Eines dieser geplanten Projekte trägt den schönen Namen „Beta Beams“ mit der Catch-Phrase „a next generation neutrino oscillation facility“ - und dies ist genau das, an dem ich zurzeit arbeite.

Da ich damit vermutlich alle nicht-Physiker abgehängt habe, möchte ich, bevor ich näher auf meine tatsächliche Arbeit eingehe, einen Bogen schlagen und erzählen, was Neutrinos überhaupt sind und was sie besonders interessant macht – schließlich soll ein nicht zu verachtender Geldbetrag in zukünftige Forschungsprojekte investiert werden.

Jedem ist wahrscheinlich das Periodensystem der Elemente aus dem Chemieunterricht ein Begriff. Darin sind alle bekannten Elemente aufsteigend nach ihrer Ordnungszahl aufgelistet und entsprechend ihrer chemischen Eigenschaften in Gruppen eingeteilt (für Anne: genauer gesagt sind sie heute nach der Anzahl ihrer Valenzelektronen in Gruppen eingeteilt). Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass die Atome, die diese Elemente bilden, selbst aus noch kleineren Bestandteilen zusammengesetzt sind – dem Atomkern, bestehend aus positiv geladenen Protonen und elektrisch neutralen Neutronen, und einer Hülle aus negativ geladenen Elektronen. Neutronen und Protonen sind dabei mit einer Masse von 1,67 x 10-27 kg etwa gleich „leicht“, aber etwa 2000-mal schwerer als das Elektron mit einer Masse von 9,1 x 10-31 kg.

Ebenfalls in dieser Zeit wurde entdeckt, dass nicht alle Elemente stabil sind und diese Atomkerne radioaktive Strahlung aussenden – eine Entdeckung, die unter anderem auf Henri Becquerel und Marie und Pierre Curie zurückgeht. Man unterscheidet zwischen drei grundsätzlich verschiedenen Arten von radioaktiver Strahlung: Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung. Im Falle der Alpha-Strahlung strahlt der zerfallende Kern durch einen quantenmechanischen Prozess einen Heliumkern (bestehend aus zwei Protonen und zwei Neutronen) ab. Die letzte Strahlungsart, die Gamma-Strahlung, ist nichts weiter als sehr kurzwelliges, also energiereiches, Licht – da diese Strahlung aber so kurzwellig ist, liegt sie für den Menschen nicht mehr im sichtbaren Bereich (dieser liegt bei etwa 400 bis 800 Nanometern Wellenlänge, während Gammastrahlung eine typische Wellenlänge von 0,01 nm besitzt). Im Gegensatz zur Alpha- und Beta-Strahlung ändert sich hier die Zusammensetzung des Kerns aus Neutronen und Protonen nicht.

Die Betastrahlung, die indirekt mit meiner Arbeit hier verknüpft ist, lasse ich zunächst außen vor und behandle sie das nächste Mal :).

Montag, 12. Juli 2010

Wochenende


Die arbeitsreiche Woche hat zwar schon wieder begonnen, ein paar Worte muss ich aber noch über das vergangene Wochenende verlieren (sonst hagelt es weiter böse Kommentare ;-)).
Zunächst einmal - ja, es gibt hier, wie in jeder normalen(?) Stadt(?), auch Straßenschilder:
 Am Samstag setzten Martin und ich unsere Tour über das Meyrin Gelände erst einmal fort. Zunächst gingen wir über den Square Van Hove hinter Building 33. Dort sind in einem kleinen Garten zahlreiche alte Apparaturen ausgestellt, die früher für Experimente am CERN verwendet wurden. Dazu gehören auch kleine Informationstafeln, die ich gleich mit fotografiert habe.
Danach ging es noch in die Ausstellung "Universe of Particles" im Erdgeschoss des Globe (herrlich klimatisiert!) und in das interaktive Museum "Microcosm", das sich direkt bei der Rezeption befindet. Beide Ausstellungen sind übrigens frei (d.h. insbesondere kostenlos) zugänglich und wirklich einen Blick wert, wenn man in der Nähe ist.
Am Abend ging es dann auf einen kurzen Trip über die Lake Parade in Genf - einer kleineren Ausgabe der deutschen Loveparade. Hauptpunkt war aber eher der Sieg der deutschen Fußballmannschaft und das erreichen des dritten Platzes bei dieser WM, was ich - wieder einmal - im Mr. Pickwick Pub verfolgte.
 Der Sonntag verlief um einiges ruhiger - spät aufstehen (muss auch mal sein!), dann das Formel-1 Rennen verfolgen (Mr. Pickwick!) und schließlich am Abend das WM-Endspiel (a.k.a Taekwondo) im R1 ansehen und einigermaßen früh schlafen, denn am Montag standen schon wieder früh die Vorlesungen auf dem Programm. Den Montagabend nach Feierabend nutzte ich noch dazu, die Route de Meyrin in Richtung Meyrin entlangzugehen und einige Aufnahmen von der Landschaft rund um das CERN zu machen.